Steht ein norddeutsches Ehepaar…

…vor einer Kneipe. Auf einer Tafel werden Smoothies aus allen denkbaren Früchten angepriesen.
Sagt sie zu ihm: „Du, Jeheens, hier haben sie auch diese Smuttjes!“

Advertisements

Vorsicht, frisches Blau!

image

Es hat schon seinen Grund, dass die Warnung „Vorsicht, frisch gestrichen“ im Allgemeinen auf Schilder gedruckt am Ort des Geschehens angebracht und bald wieder entfernt wird. Nach längstens ein paar Stunden ist frisch nicht mehr frisch, so wie Neue Musik längst nicht mehr neu ist. „Semantische Interventionen“ nennt Klaus Berends daher seine Serie „Wet paint“. Die Beschriftung bleibt und lügt noch ewig vor sich hin, wenn sich der Anlass der Warnung längst erledigt hat und die kräftig blaue Farbe weder Finger noch Hosenböden mehr beschmieren kann.

image

Einen der Betonwürfel, die die kleine Hafenmole des Örtchens Tarajalejo auf Fuerteventura befestigen, hat der Künstler so bemalt. Seit 1986  wohnt er, dem seine norddeutsche Herkunft immer noch deutlich anzuhören ist, auf der kargen, aber sonnigen Kanareninsel. Der Betonklotz ist Endpunkt einer kleinen Reihe von Kunststationen, die Klaus Berends an den Lavafelsen aufgebaut hat, die die Mole seines Heimatortes begrenzen. „Kleine Erinnerungen“ heißt die erste von der Promenade aus gesehen. Ein schlichter, weißer Rahmen umfasst das Foto eines Mannes, der über der Terrassenbrüstung eines Hauses lehnt – die Ruine ist mit etwas Fantasie ein paar Meter weiter auszumachen. Der zweite Rahmen enthält dasselbe Gesicht, stark vergrößert, vor Pixeln kaum erkennbar – diese Art der Annäherung hilft wohl nicht bei der Suche nach der Historie.
„2 Grad Celsius“ behauptet ein paar Meter weiter eine andere Kunststation – für Überwinterer aus Nordeuropa eine irritierende Erinnerung.

image

Fels, Sand, Salz, Rost und Meeresblau: Berends arbeitet mit dem, was die Insel ihm bietet. Die große Installation „Ihr seid das Salz der Erde“ war außer in der früheren Entsalzungsanlage von Taralejo auch in einer Osnabrücker Kirche zu sehen.
Das spektakulärste aller Fundstücke liegt seit ein paar Jahren endgültig auf dem Meeresgrund: Klaus Berends erleuchtete 1999 das geheimnisvolle Wrack der „American Star“.

image

Derzeit in Arbeit: ein meterhohes Ruderblatt mit Pinne aus Stahlbeton, das seinen Platz in der Mitte des Kreisverkehrs am Ortseingang finden soll. Farbe: Meerblau.

http://www.klaus-berends.com

Die dicken drei B nochmal

Ich weiß, ich wiederhol mich, aber es hilft nix. Ich hab ja dieser Tage schon mal geschwärmt von der Bratscherin Barbara Buntrock und dem Festival 3B, das sie in dieser Woche zum zweiten Mal in Wuppertal veranstaltet hat.

Das Problem damit ist: Ich habe maßlos untertrieben. Was ich da heute auf der Bühne in der Immanuelskirche gesehen und gehört habe, war ohne jede Übertreibung Weltklasse. Die Musikerfreunde, die Frau Buntrock nach Wuppertal bringt, sind zwischen 20 und 30 Jahre alt und machen gerade internationale Bühnenkarriere als Solisten. Die Lektüre der Lebensläufe macht einen schon schwindelig, die Qualität des Dargebotenen erst recht.

David Pia, um nur ein Beispiel zu nennen, trat schon als Duopartner von Bobby Mc Ferrin mit dem Münchner Rundfunkorchester auf. Die Entdeckung für mich heute Abend war Geigerin Alexandra Soumm, Anfang 20 und ein gigantisches Talent. Über Kit Armstrong schreibe ich erst gar nichts. Ich maße mir nicht an, irgendetwas über jemanden zu sagen, der im Alter von sieben Jahren Mathe an der Uni studiert.

Ja. Solche Leute spielen eine Woche lang in Wuppertal-Oberbarmen in der Immanuelskirche. Wenn man den Schock überwunden hat, hilft nur: Hingehen. Am 28. Oktober gibt es noch eine Chance. Und wenn Frau Buntrock uns dieses Fest nochmal schenkt, renn ich da jeden Tag hin.